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EBERESCHE

Wissenswertes

Allgemeines:

Eberesche bedeutet ursprünglich „Falsche Esche“. Sie hat zwar ähnliche Blätter wie die Esche, gehört aber zur großen Gemeinschaft der Rosengewächse. Das Gerücht von der verheerenden Giftigkeit der Vogelbeere hält sich hartnäckig. Nach dem Genuss größerer Mengen frischer Beeren kann es zwar zu Durchfall und Erbrechen kommen, die Beeren schmecken aber so bitter, dass man nach der ersten Geschmacksprobe nicht mehr herzhaft zulangen wird.

Wuchshöhe: bis 20 m oder strauchförmig
Standort: Von der Tiefebene bis über die Waldgrenze im Gebirge hinaus
Blütezeit: Mai - Juni
Erntezeit: ab September

Verwendung:

Bereits Karl der Große empfahl den Baum zum Anbau (Tee aus Blüten und Früchten, Blätter als Viehfutter, Rinde zum Gerben). Wegen des hohen Vitamin C - Gehaltes der Früchte als Blutreinigungsmittel gegen Gicht und Rheuma. Die Beeren der Eberesche enthalten mehr Vitamin C als die Zitrone.

Früchte als Kompott, Gelee, Saft, Likör, Fruchtwein.

Fabrikmäßige Gewinnung von Sorbit (Zuckerersatz für Diabetiker) aus den Früchten.

Nutzen auch im Lawinenverbau, da die Eberesche hochstämmig wächst.

Ökologie

Ebereschen leisten als Vögel-, Säuger- und Insektennahrung einen wichtigen Beitrag zur Erhaltung artenreicher Lebensgemeinschaften - über 60 Vogelarten fressen die Beeren (mehr als bei allen anderen Bäumen und Sträuchern; auch 30 Säugetierarten.

Zum Ausprobieren

Zur Bereitung des Tees aus den getrockneten Beeren übergießt man einen Teelöffel davon mit einer Tasse kaltem Wasser. Erhitzen, kurz aufkochen lassen und abseihen. Nicht süßen! Tagesdosis 2-3 Tassen (anregend auf Blase und Nieren, blutreinigend und entschlackend).

Sammeln der reifen Früchte im Oktober, luftig trocknen, im Winter als Vogelfutter verwenden. Mit anderen getrockneten Beeren zusammen auslegen und beobachten, welche zuerst gefressen werden.

Austreibende Blattknospen oder Beeren erinnern im Geschmack auch an Marzipan. Dieser Geschmack rührt von Spuren an Blausäure her. Nur eine kleine Kostprobe nehmen!

Merk-Würdiges

Germanische Bräuche:

Die Eberesche hat eine tiefverwurzelte mythologische Vergangenheit. Sie war dem germanischen Gewittergott Donar geweiht. Die alten Druiden stellten ihren Zauberstab aus Ebereschenholz her. Besonders Orakel- und Gerichtsplätze wurden mit Ebereschen umpflanzt. Die keltischen Priester machten sie zum Baum des Lebens. Um sich vor Drachen zu schützen, hängte man ihre Zweige über Haus und Stalltüren. Wenn ein Kalb einen Namen bekommen sollte, schnitt der Bauer vor Tagesanbruch einen Ebereschenzweig, schlug ihn auf den Rücken und nannte seinen Namen. Dies schützte vor Krankheiten. Diese Bräuche sind noch die Reste des Abwehrzaubers, der mit der glücksbringenden Eberesche in Verbindung stand.

Die Sage vom „Blutbaum“:

Viele Sagen berichten von Ebereschen als „Blutbäumen“, die aus dem Blut unschuldig hingerichteter Menschen entstanden sein sollen. Mit dem Blut ging daher die Seele in den Baum über. Auf Island soll aus dem Blut zweier unschuldig hingerichteter Geschwister (wegen Blutschande) ein Vogelbeerbaum aufgegangen sein. Jeweils in der Weihnachtszeit wurden auf allen Zweigen Lichter gesehen, die auch bei starkem Wind nicht erloschen.

Brauchtum heute:

Noch heute soll bei Iserlohn in Westfalen der Brauch bestehen, dass am ersten Maitag die Kälber „gequiekt“ werden. Bei Sonnenaufgang schneidet der Hirte dasjenige Vogelbeerbäumnchen, auf welches die ersten Sonnenstrahlen fallen. Anschließend versammelt er vor dem Hause die Hausleute und Nachbarn und schlägt dem Kalb auf das Kreuz, die Hüfte und den Bauch unter Bitten, dass das Tier gesund und stark werde und viel Milch in sein Euter fließe. Unter dem dritten Schlag erhält das Tier jeweils seinen Namen.

In Dalsland in Schweden treibt der Hirte sein Vieh an einem dem Himmelfahrtstag vorangehenden oder nachfolgenden Tag schon um die Mittagszeit nach Hause, nachdem er die Hömer der Tiere mit Blumen bekränzt hat. Der Herde voraus trägt er mit beiden Händen einen mit Blumen geschmückten Vogelbeerbaum, den er im nahen Wald geschnitten hat. Wird der Stall erreicht, so wird der Baum an den Giebel gepflanzt. Dieser Baum bleibt dann während der ganzen Weidezeit dort und schützt die Tiere vor bösen Geistern. Nun werden den Schellenkühen die Glocken umgehängt und das Jungvieh benannt, indem es unter Ausrufung des ihm gegebenen Namens mit einer Rute des Vogelbeerbaums dreimal auf den Rücken geschlagen wird.

Das so genannte Maienstecken (das Hinstellen eines Blumenstrausses oder eines Bäumleins vor das Haus geachteter oder geliebter Mädchen) ist noch heute in zahlreichen Ländern Europas verbreitet. Dieser Brauch kann aber auch Ausdruck von Missmut sein. Haben sich z.B. Mädchen durch Unkeuschheit oder Wankelmut in der Liebe Hass oder Verachtung zugezogen, so wird ihnen ein Holunder- oder ein Vogelbeerbaum vor das Haus gesetzt. In Schmallenberg in Westfalen pflanzt man unordentlichen Mädchen statt der Birke einen Vogelbeerbaum vor das Haus und auch in Tübingen drückt ein solcher vor der Tür eines Mädchens Spott oder Abneigung aus. In Schlesien herrscht der Volksglaube vor, dass eine große Menge von Früchten eine gute Getreideernte oder einen strengen Winter erwarten lasse.

 

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