Hier lebt die Ruhe.

BIRKE

Wissenswertes

Allgemeines:

Wichtige Arten: Weißbirke, Hängebirke (Standort: Waldlichtungen, Geröllhalden, Brachland), Moorbirke (Standort: feuchte Böden, Moore) - bei uns selten.
Alter: bis 100-120 Jahre
Stammstärke: 40-60 cm
Höhe: 25-30 m
Blütezeit: April - Mai
Früchte: Juni - August
Emtegut/Sammelzeit: Saft - März bis Mai
Blätter - Mai bis Juni

Die Birke gehört dank ihrer Anspruchslosigkeit zu jenen Pflanzen, die bei der Besiedelung roher Böden als erste zur Stelle sind. Daraus erklärt sich, dass sie bereits vor ca. 10000 Jahren nach der letzten Eiszeit, die sie in Südfrankreich überdauerte, bei uns Fuß fassen konnte (Pionierbaumart). Nun kann der Baum selbst nicht wandern, aber seine Früchte werden vom Wind, vom Wasser oder von Tieren weitergetragen. Auf diese Weise kann ein Baum jährlich 100-300 Meter „Boden gewinnen“. Es bedurfte demnach eines Zeitraumes von ein paar tausend Jahren für die „Wanderschaft“ der Birke von Südfrankreich in unser Gebiet. Die Birke ist die Baumart, die am meisten Wasser aufnimmt und verdunstet. Im Frühjahr ist der Saftdruck besonders hoch. Bei Verletzungen tropft der Birkensaft heraus (Gefahr des „Verblutens“). In dieser Zeit kann Birkensaft gewonnen werden. Dazu sind Fachkenntnisse notwendig.

Verwendung

Rinde:

Herstellung von Schachteln, Körben, Matten, Schuhen (Birkenrinde verwest wegen ihres Betulingehalts äußerst langsam; lässt sich papierdünn ablösen) Färben (Braunton) Herstellen von Insektenöl, Haarwasser Hilfsmittel beim Gerben lindernde Wirkung bei Hautkrankheiten

Holz:

Herstellen von Fackeln Späne, Feuerholz (Birke brennt auch in nassen Zustand) Gebrauchsgegenstände (Wagendeichsel)

Birkenwasser:

Birkenwasser ist trinkbar.

Blätter:

Färben von Wolle, Stoffen (hellgelb) Tee (aus grünen und getrockneten Blättern); harntreibende, allgemein gesundheitsfördernde Wirkung

Zweige:

Besen, Saunabesen
Markierung von Schifffahrtslinien, z.B. im Watt (biegsam, verrottet langsam)

Naturheilkunde:

lnhaltsstoffe: Gerbstoffe, Bitterstoffe, Vitamin C, ätherische Öle, Harz, Saponine, Flavone
Aufguss der frischen Blätter und Knospen zur Entwässerung der Nieren, bei Gicht, Rheuma, Funktionsstörung der Galle.
Birkensaft ist stoffwechselanregend und wird bei Harnbeschwerden verabreicht. Äußerlich angewendet dient er der Pflege der Kopfhaut.

Ökologie

Birken sind für viele lnsektenarten von großer Bedeutung. 140 Falterarten legen dort ihre Eier ab. Dazu gehören so schöne Arten wie der Trauermantel. Der Gelbspötter nistet in der Nähe von Birken, weil er für den Nestbau die papierartigen Rindenteile verwendet.

Zum Ausprobieren

Wasser aus Birkenblättern:

Bindet man über den belaubten Zweig einer Birke einen Plastikbeutel, sammelt sich in ihm Feuchtigkeit, die aus zahlreichen, mikroskopisch kleinen Spaltöffnungen der Blätter ausgeschieden wird und sich an der Folie niederschlägt. An einem heißen Tag ist die Wassermenge ganz beachtlich. Sie ist allerdings in der feuchtigkeitsgesättigten Luft im Beutel bei weitem nicht so groß, wie in trockener Luft, die die übrigen Blätter umgibt. Im Sommer kann eine ausgewachsene Birke täglich bis zu 400 Liter Wasser abgeben, das sie mit der Wurzel aufgenommen hat.

Hausgemachtes Haarwasser:

2 Handvoll frischgepflückte Birkenblätter, 1 Esslöffel Brennnesselwurzel, 2 Esslöffel Brennnesselblätter, 1 Esslöffel Kapuzinerkresse (Blätter/Blüten), 1 Esslöffel Arnikablüten, Y2 Esslöffel Rosmarin, evtl. 4 Gewürznelken, 1 l 70 %iger Alkohol
Kräuter (außer Birke können alle anderen Zutaten auch getrocknet sein) in ein Schraubglas füllen, mit Alkohol übergießen. Verschlossen 3 Wochen ziehen lassen. Gelegentlich schütteln. Abseihen und in eine Tropflasche füllen.

Brennversuche mit frisch geschnittenen Birkenspänen

Merk-Würdiges

Brauchtum und Volksglauben:

Das Fest der Birke wird bei und schon seit uralter Zeit gefeiert. Die Heimat dieses Baums sind die nördlichen gemäßigten und arktischen Gebiete. Der bekannteste Brauch um die Birke war der des Maibaums: Am 1. Mai holten die Bewohner des Dorfes eine große aus dem Wald, schmückten sie mit bunten Bändern, Eiern, Brezeln und Kuchen. Mit dem Maibaum holten sie einen Teil der neu erwachten Natur in ihr Dorf und stellten ihn als Pfand auf dem Dorfplatz auf, damit die Frühlingsgöttin ihre Familie segne.
In der Nacht zum 1. Mai stellten die jungen Männer ihrer Angebeteten ein Birkenbäumchen vors Haus - als Zeichen ihrer Liebe, als symbolischen Heiratsvertrag.

Nach der Christianisierung wurde versucht, die heidnischen Maifeiem zu verbieten. Schließlich wurde der alte Maibrauch zum Fronleichnamsfest umgewandelt und die Strassen durften wieder mit Birkenzweigen und Bändern geschmückt werden.
In Niederbayem werden die Kühe im Frühjahr mit Birkenreisern aus den Ställen getrieben. Mit diesem Brauch des Schlagens mit der „Lebensrute sollten die Lebensgeister wachgerufen werden, so dass die Tiere gesund bleiben und stark und fruchtbar werden.
In nordischen Ländern werden zusammengebundene Birkenruten bei Saunagängen als Peitschbündel verwendet, da sie Hautkrankheiten entgegen.

Literarisches:

Bauernregel

„Fließt im Dezember noch der Birkensaft, kriegt der Winter keine Kraft“.

Russisches Sprichwort

„Die Birke hat vier gute Dinge: Licht (Fackeln aus Holz), erstickt die Schreie (Wagenschrniere), sie heilt die Kranken und reinigt sie“.

Gedicht:

Birkenlegendchen Birke, du schwankende, schlanke, wiegend am blaßgrünen Hag. Lieblicher Gottesgedanke vom dritten Schöpfungstag!

Gott stand und formte der Pflanzen endlos wuchernd Geschlecht, schuf die Eschen zu Lanzen, Weiden zum Schildegeflecht.

Gott schuf die Nessel zum Leide,
Alraunewurzeln zum Scherz,
Gott schuf die Rebe zur Freude,
Gott schuf die Distel zum Schmerz.

Mitten in Arbeit und Plage hat er leise gelacht als an dem sechsten der Tage, als er an Eva gedacht.

Sinnend in göttlichen Träumen gab seine Schöpfergewalt von den mannhaften Bäumen einem die Mädchengestalt.

Göttliche Hände im Spiele
Lockten ihr blonden das Haar
Dass ihre Haut ihm gefiele
Seiden und schimmernd sie war.

Biegt sie und schmiegt sie im Winde fröhlich der Zweiglein Schwarm, wiegt sie, als liegt ihr ein Kinde frühlingsglückselig im Arm.

Birke, du mädchenhaft schlanke,
Schwankend am grünenden Hag,
Lieblicher Gottesgedanke
Vom dritten Schöpfungstag.

Bömes von Münchhausen

Wilhelm Busch‘s Anmerkungen

„Von Birken eine Rute
Gebraucht am rechten Ort
Befördert oft das Gute
Mehr als das beste Wort.“

Birke

In die Birken, die noch licht sind
fällt ein letzter roter Schein.
Doch die Blüten, die noch nicht sind,
werden bald vergangen sein.
Denn die Birken in den Mooren
und die Blüten dieser Welt
haben hier nichts mehr verloren -
hier regieren Tod und Geld!
Doch ich lasse Euch nicht schinden,
Birken nicht und Blütentraum.
Meine Seele will ich binden
an den allerletzten Baum.
Einmal mag der Trieb noch leben,
einmal noch die Frösche schrein.
Einmal unsrer Herzen beben - und dann bei den Birken sein.

Aus: Hubert Weinzierl „Naturalien-Kabinetr, Passau, 1988

 

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