Hier lebt die Ruhe.

Fachvortrag "Insekten als Chemiker und Lieferanten von Arzneimitteln"

Holger Reihl als neues Vorstandsmitglied des Fördervereines Ökopark Hertelsleite gewählt

Anlässlich der Jahreshauptversammlung des Vereins der Freunde und Förderer des Ökopark Hertelsleite Schwarzenbach/ Saale e.V. wurde der bisherige Vorstand im Amt bestätigt - Dr. Christian Heinrich Sandler bleibt Vorsitzender des Vereins, Thomas Macht Schatzmeister und Erika Schaller Vorstandsmitglied. Als weiteres Vorstandsmitglied wurde Holger Reihl gewählt, der durch seine Tätigkeit im Stadtbauamt vielen Schwarzenbachern bekannt sein dürfte.

Im Verlauf der Veranstaltung begrüßte Vorsitzender Dr. Sandler die anwesenden Mitglieder und Freunde und berichtete über die Vereinsaktivitäten im vergangenen Jahr: Sein Rückblick auf die Vereinsaktivitäten 2014 war vor allem von verschiedenen Umweltbildungsmaßnahmen geprägt: "Formen und Farben der Natur", "Wasser", "Wiese", "Kräuter" mit Kindergartenkindern, Schülern und Bewohnern des Hauses Saalepark. Aber auch die Arbeiten anlässlich der Aktionstage kamen zur Sprache – so z.B. das Setzen von mehreren tausend Blumenzwiebeln im Spätherbst.

Für die kommenden Monate ist wieder ein umfangreiches Umweltbildungspaket geschnürt, daneben wird es in regelmäßigen Abständen Aktionstage geben. Im Herbst sollen wieder Blumenzwiebel gesteckt werden. Die bisher eingebrachten Frühblüher entwickeln sich gut und erfreuen die Spaziergänger im Ökopark.

Außerdem konnten die Gäste einen spannenden Vortrag erleben: "Insekten als Chemiker und Lieferanten von Arzneimitteln" Der Vortragende, Prof. Dr. Konrad Dettner, ist Professor an der Universität Bayreuth und erforscht Wirkstoffe, die in Insekten vorkommen auf deren Tauglichkeit zur Verwendung als Medizin, Pflanzenschutzmittel oder Schädlingsbekämpfungsmittel.

Man vermutet – so Dettner - dass es auf der Erde 1,5 Mio. Organismenarten gäbe, davon sind die Mehrzahl Insekten. Experten gehen davon aus, dass es ca. 10 Mio. rezenter (heute lebende) Arten gibt. In Deutschland existieren etwa 33.500 Arten, in Nordostbayern etwa 20.000 – da hier das Klima etwas rauer ist.

Der kleinste Käfer ist gerade so groß, wie ein einzelliges Pantoffeltierchen, es leben aber auch handtellergroße Exemplare in einigen Regionen der Erde.

Herr Prof. Dr. Dettner schilderte das Szenario ohne Insekten auf unserem Planet: Viele Blütenbestäuber fielen weg, ebenso Nahrungsgrundlage für Vögel, Fische, Reptilien und Säugetiere. Alte Materialien, die nicht durch Insekten abgebaut würden, sammelten sich an. Es gäbe aber auch keine Übertragung von Krankheiten wie Malaria.

Um sich selbst zu schützen, setzen Insekten diverse Strategien ein: Krypsis oder auch Umgebungstracht: Das Insekt sieht aus wie seine Umgebung.
Eine weitere Strategie ist die optische Abwehr: Mimikri bzw. Schreckenstracht, bei der das Insekt beispielsweise das Aussehen einer Schlange nachahmt.

Die mechanische Abwehr ist auch ein erfolgreiches Konzept, hier ist im speziellen der Bombardierkäfer zu benennen, der ca. 50x ein heißes Wehrsekret, bestehend aus Treibgas und Gift, abfeuern kann. Der Bombardierkäfer kommt in der fränkischen Schweiz vor, es wäre auch denkbar, dass diese Gattung im Ökopark Hertelsleite beheimatet ist.
Es gibt auch Entwicklungsstufen bei der Metamorphose von Insekten, die Substanzen einsetzen, welche sich der Mensch mittlerweile zu Nutze macht: So verpuppen sich Pilzmückenlarven in Gespinsten imprägniert mit der giftigen Oxalsäure. Diese erzielt gute Ergebnisse bei der Varroamilbenbekämpfung im Bienenstock.

Viele Substanzen, die in Insekten vorkommen bzw. durch Bakterien, die in den Tieren leben, gebildet werden, sind vielversprechende, therapeutisch einsetzbare Wirkstoffe.

Einige zeigen eine starke Antitumorwirkung, leider können diese Substanzen – Pederin ist eine davon – noch nicht in größerer Menge für klinische Tests synthetisiert werden.

Die in unseren Breiten beheimateten Schenkelböcke produzieren beispielsweise Cantharidin, um sich vor Fraßfeinden zu schützen. Dieses Cantharidin zeigt bei der Bekämpfung von Tumoren und Dellwarzen gute Wirkung, ist aber gleichzeitig eine Art Droge für andere Insekten.

Spreitungsschwimmer, winzige Kurzflügelkäfer produzieren Alkaloide und Terpene und können durch ruckartigen Ausstoß dieser Substanzgemische sowie ihrer hydrophoben Beinchen über die Wasseroberfläche spreiten.
Im allseits bekannten Rosenkäfer wurde eine neuartige Substanzgruppe aus symbiontischen Bakterien entdeckt, die sehr gut gegen Brustkrebs wirkt.

All diese Beispiele sollen verdeutlichen, dass durch die Forschung versucht wird, Wirkstoffe zu finden, die in der Pharmazie, im Pflanzenschutz und in anderen Gebieten eingesetzt werden können. Mit dem Fazit, dass Insekten ein Fundus für neue Medikamente sind, schloss Herr Prof. Dr. Dettner seinen hochinteressanten Vortrag.

 

28. März 2015     ( Verein - Blitzlichter )     Zur Übersicht